Über 90 Prozent der österreichischen Haushalte haben eine Hausapotheke. Doch die meisten lagern ihre Medikamente am denkbar ungünstigsten Ort: im Badezimmer. Was viele nicht wissen: Falsche Lagerung kann Arzneimittel unwirksam machen oder sogar gesundheitsschädlich. In diesem Artikel erfahren Sie, worauf es bei der richtigen Aufbewahrung ankommt.
Das Problem mit dem Badezimmerschrank
Das Badezimmer erscheint auf den ersten Blick praktisch: Hier nehmen viele Menschen morgens und abends ihre Medikamente ein, der Spiegel hilft bei der Anwendung von Augentropfen oder Salben. Doch genau dieser Raum bietet die ungünstigsten Bedingungen für Arzneimittel.
Die Luftfeuchtigkeit im Badezimmer liegt normalerweise zwischen 50 und 70 Prozent. Nach dem Duschen oder Baden steigt sie schnell auf über 80 Prozent. Diese extremen Schwankungen sind Gift für die meisten Medikamente. Hinzu kommt, dass die Temperatur ebenfalls stark variiert: Von kühlen 18 Grad nachts bis zu wohligen 24 Grad nach einer heißen Dusche.
Das Bundesgesundheitsministerium warnt ausdrücklich: „Die Lagerung von Arzneimitteln im Badezimmer ist aufgrund der stark schwankenden Luftfeuchtigkeit und der häufig erhöhten mittleren Temperatur ein wenig geeigneter Aufbewahrungsort."
Was passiert mit Medikamenten bei falscher Lagerung?
Medikamente sind empfindliche Produkte. Bei unsachgemäßer Lagerung können verschiedene Probleme auftreten:
Chemische Veränderungen
Bei Temperaturen über 25 Grad Celsius kann sich die chemische Stabilität von Wirkstoffen verändern. Eine wichtige Faustregel aus der Pharmazie: Bei einer Temperaturerhöhung um 10 Grad kann sich die Zersetzungsgeschwindigkeit verdoppeln bis verdreifachen. Das bedeutet: Ein Medikament, das normalerweise zwei Jahre haltbar wäre, kann bei falscher Lagerung schon nach wenigen Monaten seine Wirksamkeit verlieren.
Bereits eine Abnahme des Wirkstoffgehalts um 10 Prozent führt laut pharmazeutischen Qualitätsstandards dazu, dass ein Arzneimittel nicht mehr als wirksam gilt. Besonders tückisch: Diese Veränderungen sind oft nicht sichtbar.
Physikalische Veränderungen
Manche Veränderungen können Sie sehen oder riechen. Achten Sie auf folgende Warnsignale:
- Verfärbungen oder Risse bei Tabletten
- Verflüssigung oder Verfärbung von Cremes, Salben und Gelen
- Geschmolzene oder verformte Zäpfchen
- Ausflockung oder Trübung bei flüssigen Arzneimitteln
- Aufgeblähte Verpackungen
- Ungewöhnlicher Geruch (z. B. Essiggeruch bei ASS)
Toxische Abbauprodukte
Im schlimmsten Fall können durch falsche Lagerung gesundheitsschädliche Abbauprodukte entstehen. Ein bekanntes Beispiel ist Acetylsalicylsäure (ASS, der Wirkstoff in Aspirin): Bei Feuchtigkeit und Wärme zersetzt sie sich zu Essigsäure. Ein essigartiger Geruch ist daher ein deutliches Warnsignal.
Welche Medikamente sind besonders empfindlich?
Nicht alle Arzneimittel reagieren gleich stark auf ungünstige Lagerbedingungen. Hier eine Übersicht der besonders empfindlichen Gruppen:
| Medikamentengruppe | Empfindlichkeit | Lagerung |
|---|---|---|
| Insulin | Sehr hitze- und kälteempfindlich, Proteinstruktur wird zerstört | Ungeöffnet: 2–8°C im Kühlschrank; Angebrochen: bis 4 Wochen bei Raumtemperatur |
| Augentropfen | Keimgefahr nach Öffnung, temperaturempfindlich | Je nach Präparat kühl oder bei Raumtemperatur; nach Öffnung meist nur 4 Wochen haltbar |
| Zäpfchen | Schmelzen bei Hitze, verformen sich | Kühl und trocken; bei Verformung nicht mehr verwenden |
| Salben & Cremes | Phasentrennung, Wirkstoffabbau | Vor Wärme und Licht schützen; Tube nach Gebrauch gut verschließen |
| Impfstoffe | Kühlkettenpflichtig, sehr temperaturempfindlich | Strikt 2–8°C; nie einfrieren |
| Schmerzpflaster | Wirkstoff-Freisetzung verändert sich bei Hitze | Unter 25°C lagern; bei Hitze: Vorsicht vor Überdosierung |
| Dosieraerosole | Treibgasdruck verändert sich | Vor Hitze und Frost schützen; Dosiergenauigkeit kann leiden |
| Antibiotika-Säfte | Begrenzte Haltbarkeit nach Anbruch | Oft im Kühlschrank; genau auf Beipackzettel achten |
Die drei Feinde Ihrer Medikamente
1. Feuchtigkeit
Feuchtigkeit ist der größte Feind vieler Arzneimittel. Im Badezimmer liegt die Luftfeuchtigkeit oft über 60 Prozent. Selbst Tabletten in Blisterverpackungen können dadurch langsam Feuchtigkeit aufnehmen und an Wirksamkeit verlieren. Besonders gefährdet sind Brausetabletten, die bei Feuchtigkeit vorzeitig reagieren können.
2. Temperatur
Die meisten Medikamente sollten bei Raumtemperatur zwischen 15 und 25 Grad Celsius gelagert werden. In Apotheken gilt sogar eine gesetzliche Höchsttemperatur von 25 Grad. Das Badezimmer erreicht diese Grenze besonders im Sommer schnell.
Einige Medikamente wie Insulin, bestimmte Augentropfen oder Impfstoffe benötigen eine Kühllagerung bei 2 bis 8 Grad Celsius. Aber Achtung: Nicht jedes Medikament verträgt den Kühlschrank. Manche Lösungen oder Gele können dort verklumpen und unbrauchbar werden.
3. Licht
UV-Strahlung kann Wirkstoffe zersetzen. Deshalb werden viele Medikamente in braunen oder dunklen Glasflaschen geliefert. Aber auch diese schützen nicht vor jeder Lichteinwirkung. Bewahren Sie Medikamente daher immer an einem dunklen Ort auf.
So lagern Sie Ihre Medikamente richtig
Der ideale Lagerort
Wählen Sie einen Raum mit gleichmäßiger Temperatur und niedriger Luftfeuchtigkeit. Ideal sind:
- Schlafzimmer: Meist kühl und trocken
- Flur oder Abstellkammer: Geringe Temperaturschwankungen
- Abschließbarer Medikamentenschrank: Sicher vor Kindern und lichtgeschützt
Nicht geeignet sind: Badezimmer (Feuchtigkeit), Küche (Hitze beim Kochen), Fensterbänke (Sonneneinstrahlung) und das Auto (extreme Temperaturen).
10 praktische Tipps für den Alltag
- Originalverpackung behalten: Sie schützt vor Licht und enthält wichtige Informationen zur Lagerung.
- Beipackzettel aufbewahren: Er enthält spezifische Lagerungshinweise für jedes Präparat.
- Öffnungsdatum notieren: Viele Medikamente sind nach dem Öffnen nur begrenzt haltbar.
- Regelmäßig aussortieren: Überprüfen Sie mindestens zweimal jährlich das Verfallsdatum.
- Kühlpflichtige Medikamente: Im mittleren Kühlschrankfach lagern, nicht an der Rückwand (Frostgefahr).
- Nie einfrieren: Gefrorene Medikamente können ihre Wirkung dauerhaft verlieren.
- Hygienisch entnehmen: Tropfen und Salben nicht mit den Fingern berühren.
- Kindersicher aufbewahren: Medikamente außerhalb der Reichweite von Kindern lagern.
- Im Zweifel fragen: Ihre Apotheke berät Sie gerne zur optimalen Lagerung.
- Auf Veränderungen achten: Verfärbte, verformte oder ungewöhnlich riechende Medikamente nicht mehr verwenden.
Medikamente unterwegs und auf Reisen
Besonders im Sommer ist Vorsicht geboten. Im geparkten Auto können Temperaturen schnell auf über 50 Grad steigen. Schon wenige Stunden direkter Sonneneinstrahlung können Medikamente unbrauchbar machen – selbst wenn sie danach wieder abkühlen.
Für den Transport von kühlpflichtigen Medikamenten wie Insulin empfiehlt sich eine Kühltasche. Wichtig: Die Medikamente sollten nicht direkt am Kühlakku liegen, sondern zum Beispiel in ein Handtuch eingewickelt werden, damit sie nicht einfrieren.
⚠️ Wichtiger Hinweis:
Haben Sie den Verdacht, dass ein Medikament durch falsche Lagerung Schaden genommen hat? Verwenden Sie es nicht mehr – auch wenn es wieder abgekühlt ist oder äußerlich unverändert aussieht. Fragen Sie im Zweifel Ihre Apotheke.
Fazit: Kleine Änderung, große Wirkung
Die richtige Lagerung von Medikamenten ist keine Nebensache, sondern entscheidend für deren Wirksamkeit und Ihre Gesundheit. Die gute Nachricht: Mit wenig Aufwand können Sie viel erreichen. Verlagern Sie Ihre Hausapotheke einfach vom Badezimmer ins Schlafzimmer oder in einen trockenen Schrank im Flur.
So stellen Sie sicher, dass Ihre Medikamente bis zum Ablauf des Verfallsdatums wirksam, sicher und qualitativ einwandfrei bleiben.
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Quellen und weiterführende Informationen:
- Bundesgesundheitsministerium: Arzneimittel richtig aufbewahren und entsorgen
- Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: Temperaturempfindlichkeit von Arzneimitteln
- Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA)
- Österreichische Apothekerkammer

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