Von Dr. Daniel Pehböck · Lesezeit ca. 8 Minuten
Die Untersuchung des Hals-Nasen-Ohren-Bereichs gehört zu den häufigsten diagnostischen Tätigkeiten in der allgemeinmedizinischen Praxis. Während spezialisierte HNO-Fachärzte über umfangreiche endoskopische Ausrüstung verfügen, bilden Nasenspekulum, Zungenspatel und Kehlkopfspiegel die essenzielle Grundausstattung für jeden Allgemeinmediziner. Diese klassischen Instrumente ermöglichen eine suffiziente Erstdiagnostik bei Rhinitis, Pharyngitis, Tonsillitis und weiteren Erkrankungen des oberen Respirationstrakts und sind für eine zielgerichtete Therapie oder Überweisung unverzichtbar.
Inhaltsverzeichnis
Grundlagen der HNO-Diagnostik in der Allgemeinpraxis
Die HNO-Untersuchung ist integraler Bestandteil der allgemeinmedizinischen Diagnostik. Studien zeigen, dass etwa 20-25% aller Patientenkontakte in österreichischen Hausarztpraxen Beschwerden des oberen Respirationstrakts betreffen. Eine systematische Inspektion von Nase, Rachen und Pharynx ermöglicht die Differenzierung zwischen viralen und bakteriellen Infekten und verhindert unnötige Antibiotikaverschreibungen.
Die Basisausstattung für die HNO-Diagnostik umfasst neben der klassischen Stirnlampe oder Kopfleuchte drei zentrale Instrumente: das Nasenspekulum zur Inspektion der vorderen Nasenabschnitte, den Zungenspatel zur Beurteilung der Mundhöhle und des Oropharynx sowie den Kehlkopfspiegel für die indirekte Laryngoskopie. Diese Instrumente haben sich seit Jahrzehnten bewährt und sind trotz moderner Endoskopie-Technik in der Primärversorgung unverzichtbar.
💡 Praxistipp: Eine strukturierte HNO-Untersuchung sollte immer systematisch von außen nach innen erfolgen: Zunächst Inspektion der Nase mit Spekulum, dann Mundraum und Rachen mit Zungenspatel, abschließend bei Bedarf die indirekte Laryngoskopie mit dem Kehlkopfspiegel.
Nasenspekulum: Typen und Anwendung
Bauformen und Materialien
Das Nasenspekulum ist ein spreizfähiges Instrument zur Erweiterung des Naseneingangs. Es existieren zwei Haupttypen: Das Hartmann-Nasenspekulum mit zwei gleich langen, löffelartigen Branchen und das Killian-Nasenspekulum mit unterschiedlich langen Branchen. Beide werden aus rostfreiem Edelstahl (V2A oder V4A) gefertigt und sind autoklavierbar.
Das Hartmann-Modell eignet sich besonders für die Untersuchung des vorderen Nasenbereichs und der Nasenscheidewand. Die symmetrischen Branchen ermöglichen eine gleichmäßige Spreizung beider Nasenflügel. Das Killian-Spekulum mit seiner längeren oberen Branche erlaubt einen tieferen Einblick und die Beurteilung der mittleren Nasenmuschel sowie des mittleren Nasengangs.
Praktische Anwendung
Für die Untersuchung wird das geschlossene Spekulum vorsichtig in den Naseneingang eingeführt, wobei die Branchen initial horizontal ausgerichtet sind. Nach Einführung werden die Branchen durch Zusammendrücken des Griffs geöffnet und in vertikale Position gedreht. Dies erweitert den Naseneingang atraumatisch und ermöglicht die Inspektion unter guter Ausleuchtung mit Stirnlampe oder Otoskop.
Bei der Untersuchung sollte der Kopf des Patienten leicht nach hinten geneigt sein. Beurteilt werden die Nasenvorhöfe, die Schleimhaut (Farbe, Schwellung, Sekret), die Nasenscheidewand (Septumdeviation, Perforation) sowie die untere und mittlere Nasenmuschel. Eine erythematöse, geschwollene Schleimhaut mit klarem Sekret spricht für eine virale oder allergische Rhinitis, eitriges Sekret für eine bakterielle Infektion oder Sinusitis.
ℹ️ Wichtig: Das Nasenspekulum sollte niemals gewaltsam aufgespreizt werden. Bei starker Schleimhautschwellung kann die Verwendung eines abschwellenden Nasensprays (z.B. Xylometazolin) 5-10 Minuten vor der Untersuchung die Inspektion deutlich erleichtern.
Zungenspatel: Mehr als nur ein Holzstäbchen
Einweg versus wiederverwendbar
Der Zungenspatel ist das am häufigsten verwendete HNO-Instrument in der Allgemeinpraxis. Verfügbar sind Einwegspatel aus Holz oder Kunststoff sowie wiederverwendbare Metallspatel aus Edelstahl. Holzspatel sind kostengünstig und hygienisch einwandfrei, während Metallspatel sich besser reinigen lassen und eine längere Lebensdauer aufweisen.
Moderne Einwegspatel werden aus birken- oder buchenholz gefertigt, sind einzeln verpackt und erfüllen die Medizinprodukte-Standards. Metallspatel bieten den Vorteil, dass sie auch zur Palpation genutzt werden können und eine glattere Oberfläche aufweisen, die von Patienten häufig als angenehmer empfunden wird.
Korrekte Anwendungstechnik
Der Spatel wird auf die mittlere oder hintere Zunge aufgesetzt und sanft nach unten-vorne gedrückt. Ein häufiger Fehler ist das zu weit vorne Aufsetzen auf der Zungenspitze, was keinen ausreichenden Einblick ermöglicht, oder das zu weit hinten Aufsetzen, was einen starken Würgereiz auslöst. Der optimale Ansatzpunkt liegt etwa auf dem Übergang vom mittleren zum hinteren Zungendrittel.
Bei der Inspektion werden die Mundhöhle, die Gaumenbogen, die Tonsillen, die Uvula und die Rachenhinterwand beurteilt. Wichtige Befunde sind vergrößerte, gerötete Tonsillen mit Stippchen (Hinweis auf bakterielle Tonsillitis), eine gerötete Rachenhinterwand (Pharyngitis), weißliche Beläge (Soor, Diphtherie) oder asymmetrische Vorwölbungen (Peritonsillarabszess).
💡 Praxistipp: Bei Patienten mit starkem Würgereiz kann das Bestreichen der Zunge mit einem Lokalanästhetikum-Spray (z.B. Lidocain) oder das Inhalieren durch den Mund während der Untersuchung den Reflex abschwächen. Alternativ kann der Patient aufgefordert werden, währenddessen ein "Ahhh" zu sagen, was die Würgeneigung reduziert.
Kehlkopfspiegel: Indirekte Laryngoskopie
Aufbau und Funktionsweise
Der Kehlkopfspiegel besteht aus einem runden oder ovalen Spiegel, der in einem Winkel von etwa 120 Grad an einem langen Griff befestigt ist. Die Spiegelfläche ist verchromt und reflexionsfrei beschichtet. Verfügbar sind verschiedene Spiegelgrößen (Durchmesser 18-30 mm), wobei größere Spiegel einen besseren Überblick bieten, kleinere jedoch bei engem Rachen leichter zu positionieren sind.
Die indirekte Laryngoskopie ist eine anspruchsvolle Untersuchungstechnik, die Übung erfordert. Sie ermöglicht die Beurteilung des Kehlkopfeingangs, der Stimmbänder, der Epiglottis und des Hypopharynx ohne Instrumentierung der Luftwege. Dies ist besonders relevant bei Heiserkeit, Globusgefühl, chronischem Husten oder dem Verdacht auf Larynxkarzinom.
Untersuchungsdurchführung
Vor der Untersuchung wird der Spiegel erwärmt (in warmem Wasser oder über einer Spiritusflamme) und am Handrücken getestet, um Beschlagen zu verhindern und Verbrennungen auszuschließen. Der Patient sitzt aufrecht mit leicht nach vorne gebeugtem Oberkörper. Die Zunge wird mit einer Kompresse gegriffen und vorsichtig nach unten-vorne gezogen, während der vorgewärmte Spiegel an der Uvula vorbei bis an die Rachenhinterwand geführt wird.
Die Spiegelfläche sollte nicht die Rachenhinterwand berühren, um Würgereiz zu vermeiden. Durch vorsichtiges Kippen des Spiegels werden Epiglottis, Aryknorpel und bei Phonation ("iii" sagen lassen) die Stimmbänder sichtbar. Beurteilt werden Symmetrie, Beweglichkeit, Farbe und eventuelle Raumforderungen. Eine einseitige Stimmbandparese zeigt sich durch eingeschränkte Beweglichkeit, Polypen oder Karzinome als umschriebene Raumforderungen.
⚠️ Achtung: Bei akuter Epiglottitis ist die indirekte Laryngoskopie kontraindiziert, da die Manipulation einen lebensbedrohlichen Laryngospasmus auslösen kann. Bei Verdacht auf Epiglottitis (hohes Fieber, Dysphagie, kloßige Sprache, Stridor) ist eine sofortige Klinikeinweisung indiziert.
Vergleichstabelle HNO-Basisinstrumente
| Instrument | Hauptindikation | Material | Kosten | Schwierigkeitsgrad |
|---|---|---|---|---|
| Nasenspekulum Hartmann | Rhinitis, Epistaxis, Septumdeviation | Edelstahl V4A | € 25-45 | Niedrig |
| Nasenspekulum Killian | Sinusitis, tiefere Naseninspektion | Edelstahl V4A | € 30-50 | Niedrig-Mittel |
| Zungenspatel Holz | Pharyngitis, Tonsillitis, Mundinspektion | Buche/Birke | € 0,05-0,15/Stk | Sehr niedrig |
| Zungenspatel Metall | Wie Holzspatel, wiederverwendbar | Edelstahl | € 8-15 | Sehr niedrig |
| Kehlkopfspiegel | Heiserkeit, Larynxbeurteilung, Globus | Edelstahl/Chrom | € 15-35 | Hoch |
Hygiene und Aufbereitung
Einstufung nach Risikokategorie
Nach der Spaulding-Klassifikation werden HNO-Instrumente als semikritische Medizinprodukte eingestuft, da sie mit Schleimhäuten in Kontakt kommen. Dies erfordert eine Desinfektion auf hohem Niveau oder Sterilisation. Einwegspatel sind nach einmaliger Verwendung zu entsorgen, wiederverwendbare Instrumente müssen einem validierten Aufbereitungszyklus unterzogen werden.
Die Aufbereitung umfasst folgende Schritte: Vorreinigung am Einsatzort (Entfernung grober Verschmutzungen), maschinelle Reinigung und Desinfektion im Reinigungs- und Desinfektionsgerät (RDG) bei 93°C, Trocknung, Kontrolle auf Beschädigungen und Sauberkeit, Verpackung in Sterilgutbeutel und abschließende Sterilisation im Autoklaven bei 134°C für mindestens 5 Minuten.
Praktische Umsetzung in der Praxis
Viele Allgemeinpraxen nutzen für die HNO-Untersuchung bevorzugt Einwegmaterialien (Holzspatel) in Kombination mit wenigen wiederverwendbaren Instrumenten. Dies reduziert den Aufbereitungsaufwand erheblich. Nasenspekula und Kehlkopfspiegel sollten in ausreichender Anzahl vorgehalten werden, um einen kontinuierlichen Aufbereitungszyklus zu gewährleisten.
Die korrekte Dokumentation der Aufbereitung ist rechtlich verpflichtend. Dies umfasst die Chargenrückverfolgung, Prüfprotokolle des RDG und Autoklaven sowie die regelmäßige Validierung der Aufbereitungsgeräte. Die Medizinprodukte-Betreiberverordnung fordert zudem eine qualifizierte Beauftragung des Aufbereitungspersonals.
Praxistipps für die Untersuchung
Tipp 1: Optimale Lagerung und Vorbereitung
Bereiten Sie HNO-Instrumente griffbereit im Behandlungszimmer vor. Ein dedizierter HNO-Wagen mit Stirnlampe, verschiedenen Nasenspekula, Zungenspateln und Kehlkopfspiegeln unterschiedlicher Größen spart Zeit. Erwärmen Sie Kehlkopfspiegel vorab in einem Wasserbad bei etwa 40°C – dies verhindert Beschlagen und macht die Untersuchung angenehmer für den Patienten.
Tipp 2: Patientenkommunikation verbessert Compliance
Erklären Sie dem Patienten vor der Untersuchung jeden Schritt. "Ich werde jetzt Ihre Nase vorsichtig öffnen" oder "Atmen Sie ruhig durch den Mund" reduziert Angst und Abwehrreaktionen. Bei Kindern kann die Untersuchung spielerisch gestaltet werden – "Wir schauen mal, ob da ein kleiner Frosch im Hals sitzt" – dies erhöht die Kooperationsbereitschaft deutlich.
Tipp 3: Dokumentation mit Smartphone
Moderne Smartphones verfügen über hochauflösende Kameras. Bei pathologischen Befunden (Tonsillenbeläge, Pharynxveränderungen) kann eine Foto-Dokumentation wertvoll für den Verlauf oder die Überweisung sein. Achten Sie dabei auf datenschutzrechtliche Vorgaben (DSGVO) und holen Sie die Einwilligung des Patienten ein. Spezielle Aufsätze ermöglichen sogar die Adaption des Smartphones an Spekula für bessere Visualisierung.
Fazit und Handlungsempfehlung
Nasenspekulum, Zungenspatel und Kehlkopfspiegel bilden die unverzichtbare Grundausstattung für die HNO-Diagnostik in der Allgemeinpraxis. Diese klassischen Instrumente ermöglichen trotz ihrer Einfachheit eine fundierte Erstdiagnostik der häufigsten Erkrankungen des oberen Respirationstrakts. Die korrekte Anwendungstechnik, kombiniert mit systematischer Untersuchung, erlaubt die Differenzierung zwischen selbstlimitierenden viralen Infekten und behandlungsbedürftigen bakteriellen Erkrankungen.
Während Nasenspekulum und Zungenspatel auch für weniger erfahrene Kollegen schnell zu beherrschen sind, erfordert die indirekte Laryngoskopie mit dem Kehlkopfspiegel Übung und regelmäßige Anwendung. In Zeiten zunehmender Spezialisierung bleibt dennoch die Kompetenz in der grundlegenden HNO-Untersuchung eine Kernkompetenz der Allgemeinmedizin.
Investieren Sie in hochwertige, langlebige Instrumente aus chirurgischem Edelstahl. Die Mehrkosten amortisieren sich durch die lange Lebensdauer und die zuverlässige Funktionalität. Kombinieren Sie dies mit praktischem Training – Workshops oder Hospitationen in HNO-Praxen können die eigene Untersuchungstechnik erheblich verbessern.
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Jetzt HNO-Instrumente entdecken →Quellen und Literatur
- Behrbohm H, Kaschke O, Nawka T, Swift A: Kurzlehrbuch Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. 2. Auflage, Thieme Verlag Stuttgart 2018
- Österreichische Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (ÖGAM): Leitlinie Akute Rhinosinusitis, Stand 2021
- Robert Koch-Institut: Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten. Bundesgesundheitsbl 2012, 55:1244-1310
- Strutz J, Mann W: Praxis der HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie. 3. Auflage, Thieme Verlag Stuttgart 2017
- European Committee for Standardization (CEN): EN ISO 17664 – Aufbereitung von Produkten für die Gesundheitsfürsorge, 2021
Medizinischer Disclaimer: Dieser Artikel dient ausschließlich der medizinischen Fortbildung und Information von Fachpersonal. Die dargestellten Inhalte ersetzen keine individuelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr. Die Anwendung der beschriebenen Methoden und der Einsatz der genannten Instrumente erfolgt in eigener Verantwortung. Bei unklaren Befunden oder diagnostischen Unsicherheiten sollte eine fachärztliche HNO-Konsultation erfolgen. Stand: Januar 2025.

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