Warzen, Fibrome & Keratosen in Sekunden vereisen: Der CryoPen O+ im Praxisalltag
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Warzen, Fibrome & Keratosen in Sekunden vereisen: Der CryoPen O+ im Praxisalltag


 

✏️ Autor: Dr. Daniel Pehböck | 📅 Februar 2026 | ⏱️ ca. 9 Min. Lesezeit


Warzen, Fibrome, aktinische Keratosen – gutartige Hautveränderungen gehören zu den häufigsten Konsultationsanlässen in der Allgemeinmedizin und Dermatologie. Die Kryotherapie mit dem CryoPen O+ bietet eine schnelle, präzise und nahezu schmerzfreie Behandlungsmethode, die in Sekunden wirkt und kein umliegendes Gewebe schädigt. In diesem Beitrag erfahren Sie alles über Funktionsweise, Indikationen und die praktische Anwendung des CryoPen O+ Starter-Sets in Ihrer Praxis.

⚡ CryoPen O+ auf einen Blick

Methode: Kryotherapie mit N₂O (Distickstoffmonoxid)

Arbeitstemperatur: bis –89 °C

Patronen: 8 g oder 16 g N₂O-Kartuschen

Behandlungszeit/Läsion: ca. 2–30 Sek.

Gesamtdauer (8 g): 120 Sekunden

Gesamtdauer (16 g): 240 Sekunden

Hersteller: H&O Equipments NV, Belgien

Medizinprodukt: Klasse IIa, CE-zertifiziert

Was ist Kryotherapie? Das Prinzip der gezielten Vereisung

Die Kryotherapie – aus dem Griechischen „kryo" für Kälte – ist ein etabliertes dermatologisches Verfahren, bei dem Hautveränderungen durch gezielte Kälteeinwirkung zerstört werden. Das Wirkprinzip basiert auf der kontrollierten Bildung von intra- und extrazellulären Eiskristallen, die zu einer lokalen Gewebsnekrose führen. Das abgestorbene Gewebe wird anschließend vom Körper selbst abgestoßen und durch gesundes Gewebe ersetzt.

Beim CryoPen O+ kommt als Kältemittel Distickstoffmonoxid (N₂O) zum Einsatz, das Temperaturen von bis zu –89 °C erreicht. Im Vergleich zu flüssigem Stickstoff (N₂, –196 °C) bietet N₂O entscheidende praktische Vorteile: Es lässt sich sicher in kompakten Kartuschen lagern, benötigt keine aufwändige Kühlkette und ermöglicht eine besonders feine, kontrollierte Applikation.

Man unterscheidet grundsätzlich zwei Verfahren in der Kryochirurgie:

Verfahren Beschreibung CryoPen O+
Liquid Freezing (Spray) N₂O wird als feiner Strahl ohne Hautkontakt auf die Läsion gesprüht ✅ Standard
Contact Freezing Gekühlter Applikator wird direkt auf die Läsion aufgesetzt Mit Zubehör möglich

Der CryoPen O+ arbeitet primär im Spray-Verfahren: Ein feiner Hochdruckstrahl wird berührungsfrei in einem Abstand von 0,5 bis 3 mm über die Hautveränderung geführt. Das ist nicht nur hygienischer als Kontaktmethoden, sondern ermöglicht auch eine höhere Eindringtiefe und gezieltere Behandlung.

CryoPen O+ Starter-Set im Überblick

Das CryoPen O+ Starter-Set von H&O Equipments (Belgien) ist ein sofort einsatzbereites Kryotherapie-System, das speziell für den täglichen Praxisbetrieb konzipiert wurde. Die kompakte, stiftförmige Bauweise ermöglicht eine intuitive Handhabung – ähnlich einem Kugelschreiber – und die Lernkurve ist von Beginn an steil.

Lieferumfang des Starter-Sets

✅ 1 × CryoPen O+ Gerät

✅ 1 × Düse (O+ kompatibel)

✅ 1 × Schutzkappe

✅ 1 × N₂O-Gaspatrone (gem. Herstellervorgabe)

✅ Bedienhinweise des Herstellers

Technische Kerndaten

Das Herzstück des CryoPen O+ ist sein Ein-/Ausschalter, der eine besonders präzise Dosierung des N₂O-Strahls erlaubt. Anders als bei einfacheren Modellen ohne Schaltmechanismus wird so der Gasverbrauch deutlich reduziert – pro Kartusche sind wesentlich mehr Behandlungen möglich. Die optimale Kartuschentemperatur für die beste Leistung liegt zwischen 19 °C und 22 °C Raumtemperatur.

💡 Gut zu wissen: Warum N₂O?

N₂O (Lachgas) hat sich in der Kryochirurgie als Kältemittel der Wahl etabliert. Es lässt sich bei Raumtemperatur in kleinen Kartuschen lagern, ermöglicht einen sehr feinen, kontrollierbaren Sprühstrahl und erreicht eine konstante Arbeitstemperatur von –89 °C. Flüssiger Stickstoff (–196 °C) ist zwar kälter, erfordert aber spezielle Lagerbehälter (Dewargefäße) und ist für den Praxisalltag weniger praktikabel.

Indikationen: Welche Hautveränderungen lassen sich behandeln?

Der CryoPen O+ eignet sich für die Behandlung einer Vielzahl gutartiger Hautveränderungen. Die folgende Übersicht zeigt die häufigsten Indikationen:

Indikation Dauer Hinweis
Vulgäre Warzen 10–30 Sek. Ggf. Wiederholung nach 2–3 Wochen
Dornwarzen 15–30 Sek. Hornschicht vorher abtragen
Fibrome / Stielwarzen 2–10 Sek. Meist einmalig ausreichend
Aktinische Keratosen 5–20 Sek. Frühform Plattenepithelkarzinom
Seborrhoische Keratosen 5–15 Sek. Häufig bei älteren Patient:innen
Dellwarzen (Molluscum) 2–5 Sek. Besonders bei Kindern häufig
Kapilläre Hämangiome 5–15 Sek. Oberflächliche Läsionen geeignet
Feigwarzen (Condylomata) 10–20 Sek. Ggf. Mehrfachbehandlung

⚠️ Wichtig: Vor jeder Kryotherapie

Verdächtige Leberflecken und Muttermale müssen vor einer Kryotherapie dermatoskopisch beurteilt und ggf. histologisch abgeklärt werden. Die Kryotherapie ist nicht für maligne Hautveränderungen vorgesehen. Sorgfältige klinische Beurteilung vor jeder Behandlung ist unerlässlich.

Anwendung Schritt für Schritt

Die Handhabung des CryoPen O+ ist bewusst einfach gehalten. Nach dem erstmaligen Einsetzen einer N₂O-Kartusche ist das Gerät sofort einsatzbereit:

1. Vorbereitung

Überprüfen Sie die Funktionsfähigkeit des CryoPen O+ und stellen Sie sicher, dass die Kartusche ausreichend gefüllt ist. Halten Sie das Gerät mit der Spitze nach unten. Bei neuen Kartuschen den beiliegenden Filter/Öffner einsetzen und sicherstellen, dass er korrekt im Laderaum sitzt. Klären Sie die Patient:innen über den Ablauf, mögliche Empfindungen und die zu erwartende Wundheilung auf.

2. Behandlung

Halten Sie die Applikatorspitze in einem Abstand von 0,5 bis 3 mm zur Läsion – keinen direkten Kontakt herstellen. Führen Sie den Strahl in kleinen, kreisenden Bewegungen über die Hautveränderung. Die Behandlungsdauer richtet sich nach Art und Größe der Läsion (typischerweise 2 bis 30 Sekunden). Über den Ein-/Ausschalter können Sie den Strahl jederzeit unterbrechen.

🔄 Freeze-Thaw-Zyklus für optimale Ergebnisse

Für die besten Ergebnisse empfiehlt der Hersteller einen doppelten Freeze-Thaw-Zyklus: Nach der ersten Vereisung lässt man die Läsion ca. 30 Sekunden auftauen, bevor ein zweiter Vereisungszyklus durchgeführt wird. Das verbessert die Gewebszerstörung im Zielbereich erheblich.

3. Nachsorge

Nach der Behandlung kann sich die behandelte Stelle röten, leicht anschwellen oder eine Blase bilden – das ist normal. Eine Kruste bildet sich innerhalb weniger Tage und fällt nach ein bis drei Wochen von selbst ab. Informieren Sie Patient:innen, die behandelte Stelle nicht aktiv zu manipulieren und bei Bedarf eine saubere Abdeckung zu verwenden.

Vorteile gegenüber herkömmlichen Methoden

Im Vergleich zu chirurgischer Exzision, Elektrokoagulation oder topischen Therapien bietet die Kryotherapie mit dem CryoPen O+ entscheidende Vorteile:

Kriterium CryoPen O+ Chirurg. Exzision
Dauer Sek. bis wenige Min. 10–30 Min.
Anästhesie Nicht nötig Lokalanästhesie
Narben Minimal bis keine Narbe möglich
Sterilität Berührungsfrei Steriles Set nötig
Komfort Nahezu schmerzfrei Schmerzen möglich
Nachsorge Minimal Wundkontrolle, Fäden
Zeitaufwand 1–5 Minuten 15–45 Minuten

Ein wesentlicher Vorteil des Spray-Verfahrens: Da der CryoPen nicht direkt mit der Haut in Kontakt kommt, eignet er sich hervorragend für den Mehr-Patient:innen-Gebrauch – ohne aufwändige Sterilisationsschritte zwischen den Behandlungen.

Praxistipps für optimale Ergebnisse

✅ Tipps aus der Praxis

Raumtemperatur beachten: Beste Leistung bei Kartuschentemperatur zwischen 19 °C und 22 °C. Nicht im Kühlschrank und nicht nahe Heizkörpern lagern. Über 25 °C nimmt die verflüssigte N₂O-Menge ab.

Abstand einhalten: Optimaler Arbeitsabstand 0,5 bis 3 mm. Über 5 mm geht das N₂O in die Gasphase über – die Wirkung lässt stark nach.

Kreisende Bewegungen: Spitze in kleinen, kreisenden Bewegungen über die Läsion führen – das sorgt für gleichmäßige Vereisung.

Dosierung über den Schalter: Ein-/Ausschalter konsequent nutzen. Kurze, gezielte Impulse statt Dauerbetrieb sparen Gas und ermöglichen bessere Kontrolle.

Dokumentation: Läsion vor und nach Behandlung fotografieren – erleichtert Verlaufskontrolle und dient der Dokumentation.

Kontraindikationen und Nebenwirkungen

Obwohl die Kryotherapie als risikoarmes Verfahren gilt, gibt es klare Gegenanzeigen und mögliche Nebenwirkungen:

Kontraindikationen

🚫 Maligne oder verdächtige Hautveränderungen

🚫 Offene Wunden im Behandlungsbereich

🚫 Kälteurtikaria oder Kryoglobulinämie

🚫 Raynaud-Syndrom im Behandlungsareal

🚫 Akute Chemo-/Strahlentherapie (±4 Wochen)

🚫 Überempfindlichkeit gegenüber Kälte

Mögliche Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen sind vorübergehend und mild: Rötung und Schwellung, Bläschenbildung sowie leichte Schmerzen oder Brennen während und kurz nach der Anwendung. In seltenen Fällen können Pigmentveränderungen auftreten – sowohl Aufhellung als auch Verdunklung, die sich meist innerhalb einiger Monate zurückbilden. Sehr selten sind vorübergehende sensorische Beeinträchtigungen in Arealen mit oberflächlich verlaufenden Nerven (z. B. Finger, Handgelenk).

Wirtschaftlichkeit in der Praxis

Die Kryotherapie mit dem CryoPen O+ ist nicht nur medizinisch effektiv, sondern auch wirtschaftlich attraktiv. Die laufenden Kosten beschränken sich auf N₂O-Kartuschen – das Gerät selbst ist langlebig und wiederverwendbar.

📊 Rechenbeispiel

Eine 16-g-Kartusche ermöglicht 240 Sekunden Gesamtbehandlung. Bei Ø 10 Sek. pro Läsion = ca. 24 Behandlungen pro Kartusche. Die 8-g-Kartusche bietet ca. 12 Behandlungen. Die Kosten pro Behandlung liegen im einstelligen Eurobereich.

Abrechnungsmöglichkeiten

In Deutschland kann die Kryotherapie im kassenärztlichen Bereich nach GOP 02300 als kleinchirurgischer Eingriff abgerechnet werden (bei Nekrosebildung). Privatärztlich gilt GOÄ-Ziffer 740. In Österreich erfolgt die Verrechnung im Rahmen der Ordination bzw. als eigenständige Leistungsposition je nach Kassenvertrag. Für rein kosmetische Indikationen ist eine private Abrechnung (IGeL) möglich.

💡 Hinweis zur Abrechnung

Die Abrechnungsinformationen dienen als unverbindliche Orientierung. Die tatsächliche Abrechenbarkeit hängt von den Regelungen der KV, den Kassenverträgen in Österreich sowie dem individuellen Behandlungsfall ab.

Fazit: Der CryoPen O+ als vielseitiges Praxis-Werkzeug

Der CryoPen O+ bietet eine unkomplizierte, schnelle und patientenfreundliche Möglichkeit, gutartige Hautveränderungen im Praxisalltag zu behandeln. Die Kombination aus präzisem Sprühstrahl, intuitivem Ein-/Ausschalter und kompakter Bauweise macht ihn zu einem zuverlässigen Werkzeug für Allgemeinmediziner:innen und Dermatolog:innen gleichermaßen. Die niedrigen laufenden Kosten und die kurze Behandlungsdauer sorgen für eine wirtschaftlich attraktive Ergänzung des Leistungsspektrums.

Das Starter-Set enthält alles für den sofortigen Einstieg in die Kryotherapie – von der ersten Kartusche bis zur Düse. Die Lernkurve ist steil, die Patientenzufriedenheit hoch.

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Quellen:

[1] H&O Equipments NV: CryoPen Benutzerhandbuch.

[2] Andrews MD: Cryosurgery for common skin conditions. Am Fam Physician. 2004;69(10):2365-2372.

[3] Bundesärztekammer: GOÄ-Ratgeber – Kryotherapie und Lokalanästhesie der Haut.

[4] KBV: Klarstellung zur Abrechnung der Kryotherapie nach Nr. 02300 EBM.

Über den Autor

Dr. Daniel Pehböck, DESA

Arzt mit klinischer Erfahrung in der Notfall- und Intensivmedizin. Geschäftsführer der MeinArztbedarf GmbH in Hall in Tirol. Bei Fragen zum CryoPen O+ beraten wir Sie gerne – kontaktieren Sie uns.


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