Notarzt erklärt: Ebola vs. Marburg vs. Tollwut – so töten diese Viren
• Dr. med. univ. Daniel Pehböck, DESA / 0 Commenti

Notarzt erklärt: Ebola vs. Marburg vs. Tollwut – so töten diese Viren


Von Dr. Daniel Pehböck · Lesezeit ca. 11 Minuten

Ebola, Marburg und Tollwut zählen zu den gefährlichsten Erregern, die wir aus humanmedizinischer Sicht kennen. Ihre Letalität reicht von bis zu 90 % bei den hämorrhagischen Fiebern bis nahezu 100 % bei der symptomatischen Tollwut. Für medizinisches Personal ist das Verständnis der Übertragungswege und der konsequente Infektionsschutz entscheidend – nicht Panik, sondern Wissen schützt. Dieser Beitrag erklärt aus notärztlicher Perspektive, wie diese Viren den menschlichen Körper angreifen und was im Ernstfall zählt.

Drei Viren, drei Strategien

Obwohl alle drei Erreger extrem tödlich sind, unterscheiden sie sich grundlegend in ihrer Biologie und ihrem Angriffsmechanismus. Ebola und Marburg sind beide Filoviren – fadenförmige RNA-Viren, die ein massives hämorrhagisches Fieber auslösen. Die Tollwut hingegen wird durch das Rabiesvirus aus der Familie der Rhabdoviren verursacht und greift gezielt das zentrale Nervensystem an.

Die zentrale Gemeinsamkeit: Alle drei Erreger überlisten oder umgehen das Immunsystem auf unterschiedliche Weise, bevor der Körper eine wirksame Abwehr aufbauen kann. Für das klinische Verständnis ist diese Unterscheidung wesentlich – sie bestimmt Übertragungsweg, Inkubationszeit, Symptomatik und letztlich auch die Schutzmaßnahmen.

Ebola – das hämorrhagische Fieber

Pathophysiologie: So tötet Ebola

Das Ebolavirus dringt zunächst in dendritische Zellen und Makrophagen ein – also ausgerechnet in jene Zellen, die eigentlich die Immunabwehr koordinieren sollen. Das Virus unterdrückt dabei die Interferon-Antwort, wodurch das angeborene Immunsystem weitgehend lahmgelegt wird.

In der Folge kommt es zu einer überschießenden Freisetzung von Zytokinen – einem sogenannten Zytokinsturm. Dieser schädigt die Gefäßendothelien massiv. Die Blutgefäße werden durchlässig, Flüssigkeit tritt ins Gewebe aus, die Gerinnung entgleist (disseminierte intravasale Koagulopathie, DIC). Das klinische Endstadium ist ein Multiorganversagen mit Kreislaufschock.

Info: Entgegen dem medialen Bild bluten nicht alle Ebola-Patienten sichtbar. Die häufigsten Todesursachen sind schwere Flüssigkeitsverluste durch Erbrechen und Durchfall sowie der konsekutive hypovolämische Schock.

Übertragung und Verlauf

Ebola wird über direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten infizierter Personen übertragen – Blut, Erbrochenes, Stuhl, Speichel, Schweiß. Eine Übertragung über intakte Haut ist unwahrscheinlich, über Schleimhäute und kleinste Verletzungen jedoch sehr effizient. Eine aerogene Übertragung von Mensch zu Mensch spielt praktisch keine Rolle.

Die Inkubationszeit beträgt 2 bis 21 Tage. Der Erkrankte ist erst ab Symptombeginn ansteckend – ein entscheidender epidemiologischer Faktor, der die Eindämmung ermöglicht.

Marburg – der verwandte Killer

Das Marburg-Virus ist mit Ebola eng verwandt und gehört ebenfalls zu den Filoviren. Benannt wurde es nach dem ersten dokumentierten Ausbruch 1967 in Marburg, Deutschland, bei dem Laborpersonal durch infizierte Grüne Meerkatzen erkrankte.

Mechanismus und Reservoir

Marburg wirkt pathophysiologisch nahezu identisch zu Ebola: Immununterdrückung, Endothelschädigung, Gerinnungsstörung und Multiorganversagen. Das natürliche Reservoir ist der Nilflughund (Rousettus aegyptiacus). Menschen infizieren sich häufig in Höhlen oder Minen, in denen diese Fledermäuse leben.

Die Letalität liegt je nach Ausbruch zwischen 24 % und 88 %. Die Übertragung von Mensch zu Mensch erfolgt wie bei Ebola über Körperflüssigkeiten.

Achtung: Für beide Filoviren gibt es bisher keine standardisierte, breit verfügbare kausale Therapie. Monoklonale Antikörper (z. B. gegen Ebola Zaire) zeigen Erfolge, die Versorgung bleibt jedoch primär supportiv – Volumenmanagement, Elektrolytausgleich, Organunterstützung.

Tollwut – der Angriff auf das Nervensystem

Der Weg zum Gehirn

Die Tollwut (Rabies) verfolgt eine völlig andere Strategie. Das Virus wird über den Speichel infizierter Tiere – meist durch Biss – übertragen. Vom Eintrittsort wandert es entlang der peripheren Nerven in Richtung Rückenmark und Gehirn, und zwar mit etwa 1 bis 3 cm pro Tag.

Dieser retrograde axonale Transport erklärt, warum die Inkubationszeit so variabel ist: Sie reicht von wenigen Wochen bis zu mehreren Monaten, abhängig von der Entfernung der Bisswunde zum Gehirn. Ein Biss ins Gesicht ist deutlich gefährlicher als einer am Fuß.

Warum die Tollwut fast immer tödlich ist

Sobald das Virus das zentrale Nervensystem erreicht, kommt es zu einer Enzephalitis mit charakteristischen Symptomen: Hydrophobie (Angst vor Wasser durch schmerzhafte Schluckkrämpfe), Aerophobie, Hypersalivation, Agitation und schließlich Lähmungen. Ist dieses Stadium erreicht, verläuft die Erkrankung nahezu zu 100 % tödlich.

Entscheidend: Die Tollwut ist durch rechtzeitige Postexpositionsprophylaxe (PEP) nahezu vollständig verhinderbar. Nach Biss durch ein verdächtiges Tier: sofortige gründliche Wundreinigung, aktive Impfung und ggf. passive Immunisierung mit Immunglobulin – noch bevor das Virus das ZNS erreicht.

Direktvergleich im Überblick

Merkmal Ebola Marburg Tollwut
Virusfamilie Filovirus Filovirus Rhabdovirus
Zielorgan Gefäße, Organe Gefäße, Organe Nervensystem
Übertragung Körperflüssigkeit Körperflüssigkeit Tierbiss/Speichel
Inkubation 2–21 Tage 2–21 Tage Wochen–Monate
Letalität bis 90 % 24–88 % ~100 % (symptomatisch)
Prophylaxe Impfung (Zaire) keine zugelassen Impfung + PEP

Infektionsschutz in der Praxis

Für medizinisches Personal im DACH-Raum ist das reale Risiko einer Filovirus-Infektion gering – deutlich relevanter ist der Umgang mit Verdachtsfällen bei Reiserückkehrern und mit Tollwut-Exposition nach Tierbissen. In beiden Szenarien entscheidet die konsequente Anwendung von Schutzmaßnahmen über Sicherheit.

Persönliche Schutzausrüstung

Bei Verdacht auf ein hämorrhagisches Fieber gelten höchste Schutzstandards: flüssigkeitsdichter Schutzkittel, doppelte Handschuhe, dicht sitzende Schutzbrille oder Visier sowie FFP3-Atemschutz. Bei der Versorgung von Bisswunden sind sterile Handschuhe und eine gründliche Wundspülung mit Wasser und Seife über mindestens 15 Minuten essenziell.

Praxis-Tipp 1: Halten Sie in Ihrer Praxis oder Ihrem Rettungsmittel jederzeit ein vollständiges PSA-Set griffbereit – Schutzkittel, FFP3-Masken, Schutzbrillen und Handschuhe in passenden Größen. Im Ernstfall bleibt keine Zeit zum Zusammensuchen. Geeignete Ausrüstung finden Sie unter {{PRODUKTLINK}}.
Praxis-Tipp 2: Erfassen Sie bei jedem Fieberpatienten konsequent die Reiseanamnese. Eine Rückkehr aus einem Endemiegebiet innerhalb der letzten drei Wochen in Kombination mit Fieber sollte sofort an ein Filovirus denken lassen – und zur Isolierung sowie Kontaktaufnahme mit dem Kompetenzzentrum führen.
Praxis-Tipp 3: Bei Tollwut-Exposition gilt: Jede Minute zählt für die Wundversorgung, aber nicht für die Impfentscheidung. Die PEP kann auch Tage nach dem Biss noch wirksam begonnen werden – solange keine Symptome vorliegen. Zögern Sie im Zweifel nicht, sondern impfen Sie.

Meldepflicht und Logistik

In Österreich und Deutschland besteht für Verdacht, Erkrankung und Tod sowohl bei viralem hämorrhagischem Fieber als auch bei Tollwut Meldepflicht. Die frühzeitige Einbindung der Gesundheitsbehörde und – bei Filoviren – eines Behandlungszentrums der höchsten Sicherheitsstufe ist nicht optional, sondern zwingend.

Achtung: Nach einem Verdachtsfall mit möglicher Exposition darf das eingesetzte Personal nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Dokumentieren Sie jede Exposition, informieren Sie den Betriebsarzt und befolgen Sie die Quarantäne- bzw. Monitoring-Vorgaben.

Fazit

Ebola, Marburg und Tollwut gehören zu den tödlichsten Viren der Humanmedizin – aber auf völlig unterschiedliche Weise. Die Filoviren Ebola und Marburg zerstören über einen Zytokinsturm die Gefäße und führen zu Multiorganversagen, während das Tollwutvirus das Nervensystem angreift und eine fast immer tödliche Enzephalitis auslöst.

Die gute Nachricht: Alle drei sind durch Wissen und konsequenten Infektionsschutz beherrschbar. Reiseanamnese, hochwertige persönliche Schutzausrüstung, schnelle Wundversorgung und rechtzeitige Postexpositionsprophylaxe sind die entscheidenden Werkzeuge. Handlungsempfehlung: Überprüfen Sie jetzt Ihre PSA-Bestände, etablieren Sie klare Abläufe für Verdachtsfälle und schulen Sie Ihr Team regelmäßig im Umgang mit hochinfektiösen Erregern.

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Quellen: Robert Koch-Institut – Filoviren & Tollwut Steckbriefe; WHO Fact Sheets Ebola, Marburg, Rabies; AGES Österreich – Virale hämorrhagische Fieber; Nationales Referenzzentrum für Tollwut.

Dieser Beitrag dient der fachlichen Information und ersetzt weder eine individuelle ärztliche Beratung noch verbindliche behördliche Vorgaben. Im Verdachtsfall sind die geltenden Hygiene- und Meldevorschriften sowie die Leitlinien der zuständigen Gesundheitsbehörden maßgeblich.


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